Aufruf zum Ostermarsch: Widerstand gegen den Krieg!
Die Ostermärsche bestehen seit über einem halben Jahrhundert als eine Friedenstradition, die in jedem Frühjahr in Deutschland neu aufkeimt. Ende der 1950er Jahre in England als Schrei gegen die nukleare Aufrüstung entstanden, konnte diese Bewegung auf ihrem Ursprungsboden keine tiefen Wurzeln schlagen. In Deutschland hingegen wuchs sie heran und wurde zu einem untrennbaren Bestandteil der hiesigen Friedensbewegung.
Die Beständigkeit dieser Tradition in Deutschland lässt sich durch den historischen Kampf zweier gegensätzlicher Pole im Schoße der Gesellschaft erklären. Auf der einen Seite steht ein Reflex, den wir mit der Existenz einer starken, auf institutionellem Gehorsam basierenden „Ordnungskultur“ erklären können, die in Krisenzeiten leicht in autoritäre Kanäle abfließt. Die Wurzeln dieses staatszentrierten Reflexes liegen tief: Die paramilitärischen Freikorps-Verbände, die sich 1919 den emanzipatorischen Bestrebungen wie der Münchner Räterepublik entgegenstellten und diese mit staatlicher Duldung blutig niederschlugen, sind das konkretste historische Beispiel dieser reaktionären Linie. Diese autoritäre Ader, die heute im Aufstieg von Strukturen wie der AfD wieder sichtbar wird, konstruiert den Staat für weite Teile der Bevölkerung nicht als Objekt der Kritik, sondern als einen sicheren Hafen, in den man sich flüchtet. In dieser Hinsicht weist Deutschland eine strukturelle Ähnlichkeit mit der Türkei auf, wo der Staat ebenso als unerschütterliche Zufluchtsstätte wahrgenommen wird.
Die Ostermärsche treten genau an diesem Punkt in Erscheinung: Als moderne Repräsentanten der Gegenströmung, die sich der dominierenden Mentalität des Staates als „sicherem Hafen“ entgegenstellt und den Horizont zum Meer der Freiheiten öffnet. Diese Widerstandslinie, die Erbin des befreienden Geistes der Unterdrückten und der revolutionären Rätetradition aus Bayern ist, bricht aus der Kultur des Gehorsams aus. Sie zieht einen ununterbrochenen Weg von den Millionen-Friedensdemos der 1980er Jahre bis hin zu den heutigen Aktionen von „Rheinmetall Entwaffnen“.
Daher ist der Ostermarsch nicht bloß ein Protest; er ist ein über Jahrzehnte hinweg geknüpftes kollektives Gedächtnis und eine alternative Existenzpraxis gegen jenen staatsnahen und paramilitärischen Reflex, der von den Freikorps bis zur AfD reicht. In diesen Tagen, in denen Autoritarismus und Kriegstreiberei die Welt erneut umklammern, ist diese tief verwurzelte Stimme notwendiger denn je.
Denn der gegenwärtige historische Moment reißt die Menschheit in eine sich vertiefende Kriegsspirale. Die europäischen Staaten drängen als Antwort auf Wirtschaftskrisen und soziale Bewegungen den Militarismus und den durch Fremdenfeindlichkeit geprägten Faschismus auf. Während die Rüstungsbudgets jedes Jahr Rekorde brechen, werden Bildung, Gesundheit und soziale Rechte beschnitten. Die Gesellschaften werden schrittweise auf Kriegsbedingungen vorbereitet; Debatten über die Wehrpflicht kehren an die Spitze der Agenda zurück. NATO-geführte Manöver intensivieren sich; der Krieg wird von einem Ausnahmezustand zu einem gewöhnlichen Instrument der Politik transformiert. Militaristische und faschistische Politiken werden zur Hauptausrichtung traditioneller Ordnungsparteien, oder neue faschistische Parteien übernehmen als Vollstrecker dieser Politik die Macht.
Die symbolträchtigste Adresse dieses Bildes ist Rheinmetall. Dieser deutsche Rüstungsriese ist mit seinen jährlich wachsenden Profiten zum (lächelnden) Gesicht der Kriegswirtschaft geworden. Rheinmetall hat bereits eine blutige Bilanz als Produzent der Leopard-Panzer, die bei den Angriffen auf die Region Afrin in Rojava eingesetzt wurden; heute lassen sich die Spuren seiner Waffen an jeder Front von Gaza über die Ukraine bis hin zu den Grenzen Irans verfolgen. Genau aus diesem Grund stehen die jährlichen Aktionen gegen Rheinmetall im Zentrum der antiimperialistischen Friedensbewegung in Deutschland. Doch die Kriegswirtschaft besteht nicht nur aus klassischen Rüstungsmonopolen. Software- und Technologiegiganten integrieren sich in militärische Systeme; Künstliche Intelligenz und digitale Infrastrukturen werden in den Dienst der Kriegsmaschinen gestellt. Sogar Unternehmen wie Volkswagen öffnen ihre Fabriken für die Produktion von Waffenkomponenten, während das spekulative Kapital den Krieg als Investitionsmöglichkeit nutzt. Krieg wird nicht mehr nur an den Fronten, sondern auch an den Börsen, Fließbändern und in Rechenzentren produziert.
Die Fronten dieser Kriegsspirale sind nicht voneinander unabhängig; jede ist ein Zahnrad derselben globalen Maschine. Der Krieg in der Ukraine wurde durch die Erweiterungspolitik der NATO hervorgerufen und setzt sich heute in verflochtenen Dimensionen fort. Gaza in Palästina wurde Schauplatz eines der schwersten Verbrechen gegen die Menschheit in der Geschichte; während die völkerrechtswidrigen Angriffe des israelischen Staates andauern, stehen die europäischen Staaten, allen voran Deutschland, weitgehend hinter dieser Politik. In Iran eskalieren die regionalen Spannungen täglich; die von außen auferlegte wirtschaftliche Isolation und die Unterdrückung durch das Regime im Inneren vertiefen die Zerstörung für das Volk.
Während die europäischen Staaten den Krieg nach außen schüren, bringen sie die Opposition im Inneren zum Schweigen. Der Druck auf revolutionäre, progressive und friedensliebende Kreise nimmt zu; Journalisten, Aktivisten und Organisationen geraten in die juristische Zange. Die Erfahrungen des Journalisten Hüseyin Doğru zeigen, dass wirtschaftliche Sanktionen zu einem Instrument der Bestrafung von Individuen und Familien geworden sind. Dem Krieg zu widersprechen, erfordert heute in Europa einen immer höheren Preis.
Genau deshalb sind wir an diesem Ostern auf der Straße. Wir stellen uns gegen Rheinmetall und die Kriegsmonopole, gegen den von den USA angeführten Imperialismus und den NATO-Militarismus. Wir erheben unsere Stimme an der Seite des Volkes von Gaza, das einem Genozid ausgesetzt ist, und gegen die Eskalation der Angriffe in Iran zu einer Bodeninvasion oder einem regionalen Krieg. Wir schreien auf gegen die Unterdrückung aller Werktätigen, Migrant*innen, Frauen und LGBTI+-Personen. Der Ostermarsch ist nicht nur eine Kundgebung; er ist die Stimme des Lebens, der Freiheit, des Friedens und der Solidarität – und die kollektive Erklärung gegen das kapitalistisch-imperialistische System. Als ADHF rufen wir euch auf, diese Erklärung gemeinsam laut werden zu lassen!
Brot statt Böller – Budget für die Völker, nicht für die Aufrüstung!
Von Palästina bis Rojava, von der Ukraine bis Iran: Schluss mit Krieg und Besatzung!
Gegen Rheinmetall und die Kriegsmonopole: Kapitalismus entwaffnen!
Schluss mit der Unterdrückung der Opposition; Hoch die Meinungsfreiheit!
Für den Frieden an diesem Ostern auf die Straße!
FÖDERATION FÜR DEMOKRATISCHE RECHTE IN DEUTSCHLAND (ADHF) 3. April 2026
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