ADHF und Internationales Zentrum Siegen rufen zur Solidarität mit den Beschäftigten der Deutschen Edelstahlwerke auf
Die Föderation für demokratische Rechte in Deutschland (ADHF) und das Internationale Zentrum Siegen haben einen Solidaritätsaufruf gegen die geplante Einstellung der Stahlerzeugung und die angekündigten Entlassungen bei den Deutschen Edelstahlwerken in Geisweid veröffentlicht.
Den vollständigen Wortlaut der Erklärung veröffentlichen wir im Folgenden.
DIE BESCHÄFTIGTEN DER DEUTSCHEN EDELSTAHLWERKE STEHEN NICHT ALLEIN!
Solidarität stärken – Entlassungen verhindern!
Wir stehen an der Seite der Beschäftigten der Deutschen Edelstahlwerke in Geisweid und ihrer Familien. Wir wenden uns gegen die geplante Einstellung der Stahlerzeugung und die angekündigten Entlassungen. Die Zukunft der Menschen, die dieses Werk über Jahrzehnte mit ihrer Arbeit getragen haben, darf nicht den Gewinninteressen des Unternehmens geopfert werden. Die Beschäftigten dürfen nicht für die Krise bezahlen!
Die Geschichte dieses Werkes ist auch die Geschichte mehrerer Generationen von Arbeiterfamilien. Die erste Generation zugewanderter Beschäftigter aus der Türkei, Griechenland, Spanien, den ehemaligen jugoslawischen Republiken und weiteren Ländern hat gemeinsam mit ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen zur industriellen Entwicklung dieser Region beigetragen. Heute arbeiten auch ihre Kinder im selben Werk und führen diese Arbeit fort. Bedroht sind deshalb nicht nur Arbeitsverhältnisse, sondern Lebensperspektiven, die über Generationen aufgebaut wurden.
Im Vertrauen auf ihren Arbeitsplatz haben Beschäftigte Familien gegründet, Kinder großgezogen, Wohneigentum erworben und Kredite aufgenommen. Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes verschwinden diese Verpflichtungen nicht. Anhaltende Arbeitslosigkeit und Einkommensverluste können Familien in schwere finanzielle Schwierigkeiten bringen – bis hin zur Gefahr, das eigene Zuhause zu verlieren. Es ist keine Lösung, Menschen, die dem Werk viele Jahre ihres Lebens gewidmet haben, einfach zu sagen, sie sollten sich eine andere Arbeit suchen.
Die Folgen reichen weit über das Werk hinaus. Auch Zulieferer, örtliche Geschäfte und Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen können betroffen sein. Solidarität mit den Beschäftigten bedeutet deshalb, die soziale und wirtschaftliche Zukunft der gesamten Region zu verteidigen.
Dass die Unternehmensleitung eine Entscheidung getroffen hat, bedeutet nicht, dass diese widerstandslos hingenommen werden muss. Wer die Produktion durch seine Arbeit ermöglicht, muss über ihre Zukunft mitbestimmen können. Unsere Forderung ist klar: Entlassungen zurücknehmen – Arbeitsplätze erhalten!
Die Unternehmensleitung muss ihre wirtschaftlichen Begründungen gegenüber den Beschäftigtenvertretungen offen und nachvollziehbar darlegen. Alternativen zur Stilllegung und Investitionen zur Sicherung der Produktion müssen unter Beteiligung der Beschäftigtenvertretungen ernsthaft geprüft werden. Für die Zukunft des Walzwerks braucht es verbindliche Investitions- und Beschäftigungszusagen statt allgemeiner Versprechen. Abfindungen dürfen nicht an die Stelle des Kampfes um den Erhalt der Arbeitsplätze treten.
Wechsel an andere Standorte müssen auf freiwilliger Basis erfolgen. Dabei müssen die Löhne und Arbeitsbedingungen erhalten bleiben und zusätzliche Fahrt- und Umzugskosten übernommen werden.
Bundesregierung, Landesregierung und Kommunen dürfen sich nicht hinter „Marktbedingungen“ verstecken. Sie müssen konkrete Schritte zur Sicherung der Arbeitsplätze unternehmen. Öffentliche Unterstützung muss an verbindliche und überprüfbare Investitions- und Beschäftigungsgarantien geknüpft werden.
Wir stehen als Unterstützerinnen und Unterstützer außerhalb des Werkes solidarisch hinter dem Kampf der Beschäftigten, den sie auf Grundlage ihrer eigenen Forderungen und Entscheidungen führen. Beschränken wir Solidarität nicht auf wohlmeinende Worte! Tragen wir den Aufruf in andere Betriebe und Stadtteile. Gewinnen wir Gewerkschaften, Vereine und demokratische Organisationen für die Unterstützung. Organisieren wir in Abstimmung mit den Beschäftigtenvertretungen Solidaritätsbesuche und gemeinsame Erklärungen. Verstärken wir den öffentlichen Druck auf die Unternehmensleitung und die politisch Verantwortlichen!
Nehmen wir am 26. Oktober am Treffen der Beschäftigten und ihrer Familien teil!
Wir nehmen nicht hin, dass Familien, die über Generationen zur Entwicklung dieser Region beigetragen haben, in Arbeitslosigkeit und Unsicherheit gedrängt werden.
Entlassungen sind kein Schicksal! Der Kampf der Beschäftigten in Geisweid geht uns alle an!
Föderation für demokratische Rechte in Deutschland (ADHF) Internationales Zentrum Siegen












